Das „gute“ Geschirr

Wer kennt das nicht, zum Familiengeburtstag wird das „gute“ Geschirr rausgeholt und zum Kaffeeklatsch und -Tratsch bei der Großmutter stehen die teuren Sammeltassen auf dem Tisch? Die Unterscheidung zwischen Alltagsgeschirr und „gutem“ Porzellan wird zum einen über den materiellen und zum anderen über den emotionalen Wert, den das jeweilige Service für den Besitzer hat, entschieden. In jedem Fall handelt es sich aber um einen Gebrauchsgegenstand, der dem Anlass entsprechend „gebraucht“ wird.

Während ich diese Tradition des „guten“ Geschirrs unglaublich genieße, kann ich die Faszination für Porzellan als Kunstobjekt mitunter nur schwer nachzuvollziehen. Ein an der Wand hängender Teller ist für mich genauso suspekt wie ein WC im Museum, wobei Duchamps „La Fontaine“ zumindest ein Statement, eine Theorie und Bewegung provozierte.

Aber lassen wir uns doch ins 18. Jahrhundert zurück versetzen und versuchen dort zumindest die Faszination für chinesisches Porzellan, eines der Importschlager unter den Luxusgütern, zu entdecken. In bunten Farben strahlen uns die Drachen, Kraniche und Blumen entgegen, Kampfszenen, Landschaften und ganze Geschichten sind unglaublich filigran ausgeführt und technisch gesehen definitiv eine Meisterleistung. Die Vasen, Teller und Teeservice sind Kunst (-Handwerk), bleiben für mich aber immer noch Gebrauchsgegenstände. Vielleicht eroberten sie sich ihren Platz auf den Kaminsimsen und Konsolen in der Zeit Friedrich II. aufgrund der doch recht schweren Beschaffbarkeit, denn Handelsabkommen und Reisezeiten von bis zu zwei Jahren waren notwendig, um das kostbare Gut aus Asien nach Emden zu verschiffen. Rarität und Preis bestimmten den Prestigewert, denn die Motive waren eher zweitrangig – anhand von kollorierten Malvorlagen wurden in China auch europäische Wünsche erfüllt.

So zeigt die Ausstellung China und Preußen. Porzellan und Tee, die in die Veranstaltungsreihe Kunst –König – Aufklärung eingebettet ist, noch bis zum Ende des Jahres eine Auswahl eines von Friedrich II. bestellten Porzellanservices und veranschaulicht zudem die Handelsbeziehungen zwischen China und Preußen. Zeitgenösische Unterstüzung bekommen die Exponate von einer Installation des Künstlers Ai Weiwei. Im Musée du quai Branly können Sie sich derweil in der Ausstellung Les séductions du palais : cuisiner et manger en Chine von der Tradition der Chinesischen Küche und den Essgewohnheiten inspirieren lassen und auch hier eine Auswahl kostbaren Porzellans bewundern.

Wer sich vorab einen Überblick über die verschiedenen Stile des chinesischen Porzellans verschaffen, oder einfch nur die asiatischen Motive genießen möchte, kann sich mit dem wunderschön illustrierten Buch Chinese Porcelain von Parkstone ein kleines Stück „gutes“ Geschirr nach Hause holen.

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