Peter Paul Rubens oder Die Kunst der Werbung

Während manche Gemälde Peter Paul Rubens (1577-1640) auf den ersten Blick wie Illustrationen eines Kitschromans erscheinen, reicht ein wenig Geduld, um in seinen Werken eine Vielzahl mythologischer, religiöser oder historisch-politischer Anspielungen zu entdecken. Reine Landschaften oder Porträts ohne literarische Referenzen, die sogenannte l’art pour l’art, sind eine Errungenschaft der späten Neuzeit. Lange bevor das Radio, der Fernseher oder andere Nachrichten übermittelnde Medien erfunden waren, diente die Kunst in den verschiedenen Epochen mal mehr und mal weniger der Verbreitung von Neuigkeiten und Meinungen – und Rubens wusste genau, wie er mit seinen Gemälden die ungeteilte Aufmerksamkeit vor allem potenzieller Auftraggeber erlangen konnte.

Es scheint fast, als hätte er bereits die AIDA-Formel der heutigen Werbebranche gekannt – Attention, Interest, Desire, Action –all dies lässt sich nämlich in Rubens Werken wiederfinden: Ganz nach dem Motto Sex sells wecken in Rubens‘ mythologischen Darstellungen vollbusige nackte Frauenkörper in lasziven Posen die Aufmerksamkeit. Von den nackten barocken Modellkörpern wird der Blick auf die spannungsgeladene, durch Blicke, Gesten oder Bewegungen alle dargestellten Figuren verbindende Interaktion gelenkt. Von diesem Beziehungsgeflecht gefesselt, ist das Interesse des Betrachters endgültig geweckt. Der Wunsch, das Dargestellte im Ganzen zu erfassen, lässt ihn nun selbst aktiv werden: Auf der Suche nach dem tieferen Gehalt des Bildes, durchsucht er die Bildoberfläche nach allegorischen Verweisen und versucht, die werkimmanente Symbolik zu entschlüsseln.

Peter Paul Rubens, Minerva beschützt Pax vor Mars
(Krieg und Frieden), vor 1630.
Öl auf Leinwand, 203,5 x 298 cm.
The National Gallery, London.

Seine dramatische Bildsprache verband Rubens mit seiner 1623 aufgenommenen diplomatischen Tätigkeit. Bereits 1629 wird er vom spanischen König zum Sekretär des Geheimen Staatsrats der Südlichen Niederlande ernannt und fährt im Juni desselben Jahres nach London, um Friedensverhandlungen zwischen Spanien und England zu führen. Auch mit seiner Kunst setzte er sich aktiv für den Frieden ein und schenkte dem später hingerichteten englischen König Karl I (1600-1649) während den Friedensverhandlungen das kritische auch als Krieg und Frieden bekannte Gemälde Minerva beschützt Pax vor Mars (vor 1630; London, The National Gallery) auf dem die Vorzüge des Friedens und die Folgen des Krieges eindrücklich wiedergegeben sind. Um sein diplomatisches Anliegen zu bekräftigen, malte er während des Dreißigjährigen Krieges (1618-1648) für den Herzog von Toskana das Bild Die Schrecken des Krieges (1638; Florenz, Palazzo Pitti).

Rubens verstand es jedoch nicht nur, in seinen allegorischen und mythologischen Werken zeitgenössische Geschehnisse zu verpacken, sondern er schuf auch zahlreiche Porträts, Landschaften, Genrebilder und insbesondere christliche Gemälde zur Unterstützung der katholischen Reform. Eine große Auswahl seiner Werke wird das Wuppertaler Von der Heydt-Museum vom 16. Oktober und bis zum 28. Februar 2013 in der Ausstellung Peter Paul Rubens zeigen. Weitere Informationen und viele farbige Abbildungen in herausragender Qualität gibt es auch in dem im Verlag Parkstone-International erschienenen Buch Rubens zu entdecken.

 

-C. Schmidt

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