Vom Schatten ins Licht – Das Département des Arts de l’Islam

Paris ohne das Musée du Louvre und das Musée du Louvre ohne sein gläsernes Pyramidendach? Heute unvorstellbar! Über zwanzig Jahre sind vergangen, seitdem der chinesische Architekt Ieoh Ming Pei (*1917) seinen spektakulären Entwurf für den neuen Eingang des Louvre vorstellte, und es ist schwer zu sagen, ob die Mona Lisa oder die 1989 eingeweihte Glas-Stahl-Konstruktion über dem Eingangsbereich heute mehr Besucher anzieht. Sicher ist jedoch, dass die Glaspyramide einen entscheidenen Einfluss auf das Pariser Stadtbild genommen hat.

Dass das Musée du Louvre eine der weltweit bedeutendsten Sammlungen von Kunstwerken der islamischen Welt besitzt, ist dagegen weniger bekannt. Für die bereits in Zeiten der Monarchie begonnene Sammlung wurde 2003 eine eigenständige Louvre-Abteilung gegründet, das Département des Arts de l’Islam – nur ein geeigneter Ausstellungsplatz ließ sich nicht finden. Das soll sich nun durch die großflächige gläserne Überdachung des Visconti-Hofes ändern, durch die ein neuer, sich über drei Ebenen erstreckender Ausstellungsraum geschaffen wird.

Kelch mit Deckel, Herat, um 1265.
Kupfer.
Musée du Louvre, Paris.

Während damals nicht alle Kritiker den modernen Glasanbau Peis positiv auffnahmen, stoßen die Architekten des neuen gläsernen Anbaus auf viel weniger Gegenwehr –viel zu erfolgreich war die erste Glasüberdachung. Und auch das neue, von den Architektur-Büros Rudy Ricciotti (Marseille) und Mario Bellini (Mailand) entworfene Glasdach ist durchaus vielversprechend: Die nahezu komplette aus 8 000 Stahlrohren und 2 350 gleichschenkligen Dreiecksscheiben bestehende Überdachung des Hofes ist in einem deutlichen Abstand zu den historischen Fassaden gebaut und ruht ausschließlich auf acht schmalen Pfeilern, wodurch das Dach wie ein großes, über dem Hof drapiertes Sonnensegel wirkt.

Am 22. September 2012 wird das neue Département des Arts d’Islam im Hof des Musée du Louvre eröffnet. Die hauseigene Sammlung umfasst rund 14 000 Stücke – darunter Objekte, Teppiche, Textilien, Miniaturen und Architekturkomponenten – und wird durch etwa 3 500 Werke der dekorativen Kunst aus dem Musée des Arts Décoratifs ergänzt. Anhand von 3 000 ausgewählten Objekten aus drei Kontinenten, von denen viele zum ersten Mal gezeigt werden, soll der Reichtum des künstlerischen Schaffens der islamischen Ländern von den Anfängen des Islam im siebten Jahrhundert bis ins frühe neunzehnte Jahrhundert aufgezeigt werden.

Sie interessieren sich für die asiatische Kunst? Weitere Informationen und viele Abbildungen finden Sie in den Büchern Die Kunst Zentralasiens, Die Kunst des Islam und Indische Kunst des Verlags Parkstone-International (wobei die letzten beiden auch als E-Book erhältlich sind).

http://www.louvre.fr/en/new-department-islamic-art

 

-C.Schmidt

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