Paul Klee – Es ist interessant, wie trotz allen Abstraktionen die Sache real bleibt

Der Schweizer Künstler Paul Klee (1879-1940) wird der Abstrakten Kunst zugeordnet. Doch wie lässt sich Abstraktion eigentlich definieren? Der Begriff ‚abstrakt‘ steht im Gegensatz zu ‚real‘ und hat nur in der Gegenüberstellung zu seinem Antonym eine Bedeutung, denn wenn nichts real wäre, könnte natürlich auch nichts von der Realität abstrahiert, d. h. vereinfacht oder verallgemeinert werden. Alles, was in der Wissenschaft nicht gemessen werden kann, ist nicht real. Träume, Wünsche, Ideen, Vorstellungen – alles ist subjektiv und dem Begriff nach zunächst nicht real. Doch mittels der Kunst kann dieses Nicht-Reale in etwas Reales umgeformt werden: „Kunst gibt nicht das Sichtbare wieder, sondern macht sichtbar“ behauptete Klee zu recht in seinen theoretischen Schriften.

Paul Klee, Vermesse Felder, 1929. Aquarell und Bleistift auf Papier auf Karton, 30,4 x 45,8 cm. Kunstsammlung Nordrhein-Westfalen, Düsseldorf.

Ist Kunst nicht gerade erst dann spannend, wenn man den Sinn des Dargestellten nicht auf den ersten Blick begreifen kann, oder wenn man gar davon ausgeht, dass es nicht die eine festgeschriebene Bedeutung gibt, sondern dass es dem Betrachter obliegt, sich selbst in dem Werk wiederzufinden. Während die Betrachtung bei objektbezogener Kunst oft flüchtig und oberflächlich bleibt, laden abstrakte Kunstwerke geradezu dazu ein, das Werk näher in Augenschein zu nehmen. Gelingt es uns dann, in die Welt des Ungegenständlichen einzutauchen und in uns selbst hinein zuhören, erkennen wir vielleicht Parallelen zu unserer eigenen Erfahrungswelt: „Mit der Abstraktion ist die Realität bewahrt“ notierte Klee in seinen Aufzeichnungen, da man „eine Brücke zu den Erfahrungen der Wirklichkeit“ findet. Bei abstrakter Kunst reicht nicht der prüfende Blick auf Werk und Titel, wir brauchen Zeit, um es auf uns wirken zu lassen.

Paul Klee, Rote und weiße Kuppeln, 1914.
Aquarell und Gouache auf Papier auf Karton, 14,6 x 13,7 cm.
Kunstsammlung Nordrhein-Westfalen, Düsseldorf.

Und oft brauchen wir neben ein wenig Geduld auch ein kindliches Maß an Fantasie, um ganz unvoreingenommen etwas für uns selbst zu entdecken. Klee und sein künstlerisches sowie schriftstellerisches Werk können als Anleitung dazu fungieren, als eine Anleitung, die er selbst nicht brauchte: „Im Restaurant meines Onkels, des dicksten Mannes der Schweiz, standen Tische mit geschliffenen Marmorplatten, auf deren Oberfläche ein Gewirr von Versteinerungsquerschnitten zu sehen war. Aus diesem Labyrinth von Linien konnte man menschliche Grotesken herausfinden und mit Bleistift festhalten. Darauf war ich versessen.“ So lautet eine Kindheitserinnerung im ersten Band seiner drei Tagebücher.

Im Jahr 1960 gegründet, besitzt die Kunstsammlung Nordrhein-Westfalen heute eine der umfangreichsten Werksammlungen Klees. Aus den 100 Gemälden, Zeichnungen und Aquarellen Klees, die sich im Besitz der Kunstsammlungbefinden, hat die Kuratorin Anette Kruszynski die aktuelle noch bis zum 10. Februar 2013 geöffnete Ausstellung 100 x Paul Klee im K21 im Düsseldorfer Ständehaus zusammengestellt.

„Das Bild“ hält Klee in seinen Schriften fest „hat keinen besonderen Zweck. Es hat nur den einen Zweck, uns glücklich zu machen. Es soll etwas sein, das uns zu schaffen gibt, was wir gerne öfter sehen, was wir zum Schluss gerne besitzen möchten.“ Öfters sehen können Sie Klees Werke vor oder nach dem Ausstellungsbesuch mit der im Verlag Parkstone-International herausgegebenen Monografie Kleeoder den E-Books Expressionismusund Bauhaus.

-C.Schmidt

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