Caravaggio und der Caravaggismus

Die meisten erfolgreichen künstlerischen Werdegänge sind geprägt von Gönnern, Kennern, Ausbildung, Rezeption, Kreativität und Auftraggebern. Dies gilt auch für eine Gruppe von Künstlern, die es zu Beginn des 17. Jahrhunderts, traditionell der Ausbildung entsprechend, nach Rom zog, und damit in eine Stadt, die zu jener Zeit von einem tendenziell normzerstörenden Künstler geprägt war – Michelangelo Merisi da Caravaggio (1571-1610). Mit seinen fesselnden Kompositionen, einem radikalen Naturalismus und einer zuvor nicht gekannten Lichtregie entwickelt er einen ihm eigenen Stil. Figuren werden mithilfe der schlaglichtartigen Beleuchtung modelliert, der verdunkelte Hintergrund wird undefinierbar und so die Szene dramatisch zugespitzt.

Für diese Gruppe nach Rom drängender junger Künstler aus Utrecht, unter ihnen Dirck van Baburen (1595-1624), Hendrick ter Brugghen (1588-1629) und Gerrit van Honthorst (1592-1656), sollte Caravaggio zum künstlerischen Vorbild avancieren. In Rom fanden sie seine Bilder nicht nur in den Kirchen und Palazzi, sondern auch bei ihren eigenen Auftraggebern wie etwa Vincenzo Giustiniani (1564-1637).

Die Utrechter Caravaggisten, wie sie sich, zurück in den Niederlanden, ab 1620 nannten, schufen vor allem Historiengemälde und zahlreiche Genrebilder, in denen sie mit Vorliebe Dirnen, Musikanten und Wirtshausszenen darstellten. Das Schlaglicht Caravaggios erhielt Einzug in die traditionellen niederländischen Bildthemen, die caravaggeske Beleuchtung wurde durch künstliche Lichtquellen wie brennende Kerzen ergänzt.

Image
Hendrick ter Brugghen, Junger Mann, seine Pfeife mit einer Kerze anzündend, ca. 1625.
Öl auf Leinwand, 67,6 x 55 cm.
István-Dobó-Museum, Eger.

Während Michelangelo Merisi da Caravaggio den entscheidenden und unverkennbarsten Einfluss auf diese jungen Maler hatte, so gab es doch zahlreiche europäische Künstler, die Caravaggio rezipierten. In Italien gehörten Bartolomeo Manfredi (1580-1622), Orazio und Artemisia Gentileschi (Vater (1563-1639) und Tochter, (1593-1653)) und Carlo Saraceni (1570-1620) zu den bedeutenden Vertretern, die Lichtregie und Realismus der Modelle übernahmen, in Frankreich sollten vor allem Simon Vouet (1590-1649), Valentin Boulogne (1591-1632) und Georges de La Tour (1593-1652) den Caravaggismus prägen.

Lassen Sie sich von einem der großartigsten und künstlerisch einflussreichsten Maler der Kunstgeschichte und seinen Rezipienten noch bis zum 10. Februar 2013 in der Ausstellung Bodies and Shadows: Caravaggio and His Legacy im LACMA Los Angeles fesseln, oder entdecken Sie den Meister von Licht und Schatten und seine dramatischen Kompositionen in den verschiedenen Formaten, Best Of, Mega Square und Temporis, des Verlages Parkstone International.

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