Nackt im Museum

Nackt in der Öffentlichkeit? Das sollte für uns Deutsche als Gründer des ersten Freikörperkultur-Vereins (1898) doch eigentlich kein Problem darstellen. Nackt gibt man sich heutzutage nicht nur an den gerade an der deutschen Ostseeküste weitverbreiteten FFK-Stränden oder an den ausgewiesenen Plätzen an den Ufern der Baggerseen, nackt zu sein ist zu einer richtigen Freizeitbeschäftigung geworden: Nacktwandern, Nacktradeln, Nacktrudern oder Nacktreiten – Die aktiven Nackten, die sogenannten Nacktivisten planen die verschiedensten Veranstaltungen und versuchen, den Großteil ihres Alltags unbekleidet zu bewältigen. Durch Internet-Foren finden die Aktionen eine breite Anhängerschaft und wer jetzt denkt, dass Nacktheit nur etwas für den Sommer ist, täuscht sich gewaltig: In den Jahren 2009 und 2010 fanden in Braunlage im Harz sogar „Nacktrodelwettbewerbe“ statt.

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Sich kratzender Mann

Dass nackte Haut generell viel Aufmerksamkeit auf sich zieht, beweisen die bei öffentlichen Veranstaltungen provokativ durchs Bild laufenden „Flitzer“, die später oft Teil der Berichterstattung sind und durch die Verbreitung über die Massenmedien ein breites Publikum erreichen. Neben der Selbstdarstellung wird „blankziehen“ auch als „friedlicher“ Protest (Flitzer können sich in Deutschland eine Strafanzeige wegen Hausfriedensbruchs oder Erregung öffentlichen Ärgernisses einhandeln) genutzt, um sozialkritische oder politische Botschaften zu übermitteln.
Angefangen mit den berühmten nackten Protestaktionen der 1967 im damaligen Westberlin gegründeten Kommune 1 hat sich offenbar eine globale Bewegung gebildet, die für fast alle sozialen und politischen Missstände die Hüllen fallen lässt.

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Jil, Le „Streaking“ ne passera pas („Druckstellen“ verboten)

Die berühmteste Aktion ist dabei wohl die der PETA (People for the Ethical Treatment of Animals). Die Organisation, die sich für die Grundrechte von Tieren einsetzt und sich für die Abschaffung der Massentierhaltung zum Zweck der Gewinnung von Fleisch, Milch, Eiern, Leder, Fellen und Pelzen stark macht, holt sich in aufwendigen Shootings die Stars und Sternchen der Unterhaltungsindustrie vor die Kamera.

Unter dem Motto „Lieber nackt als im Pelz!“ konnte die nach eigenen Angaben weltweit größte Tierrechtsorganisation schon zahlreiche Stars ablichten: Ashley und Mary Kate Olsen, Daniela Katzenberger, Sarah Connor, Elisabetta Canalis, Franka Potente, Pink, Pamela Anderson, Kelly Osbourne, Eva Mendes, Cindy Crawford, Christina Applegate, Sophie Ellis Bextor und viele weitere ließen für den guten Zweck alle Hüllen fallen. Auch einige Männer, unter ihnen Bela B, Justin Bieber und Paul McCartney, zogen vor der Kamera blank, die Medien dominieren jedoch weiterhin die nackten Frauenkörper.

Um dies zu ändern, rückt die aktuelle Ausstellung des Wiener Leopold Museum unter dem Titel „nackte männer“ gerade diese bis zum 04. März 2013 in den Vordergrund. Mit Leihgaben aus ganz Europa zeigt die in ihrer Thematik bisher einzigartige Ausstellung die Vielfalt und den Wandel in der Darstellung nackter Männer vom späten 18. Jahrhundert bis heute auf. Die älteste Skulptur unter den Nackten stellt dabei eine altägyptische Statue aus der Zeit um ca. 2400 v. Chr. dar, die jüngste ist die zu einem Selbstbildnis umgearbeitete Schaufensterpuppe des zeitgenössischen Konzeptkünstlers Heimo Zobernig. Anhand der Exponate, die vor allem der Aufklärung, der Klassische Moderne und Kunstpositionen nach 1945 zugeordnet werden können, wird eindrucksvoll deutlich, wie schnell und wie stark sich das Schönheitsideal im Laufe der Zeit wandelt.

Auch Literatur beschränkt sich oft auf weibliche Aktdarstellungen, nicht so das im Parkstone-International erschiene Buch Die Geschichte der Herrenunterwäsche, dass sich neben spannenden Informationen zur Geschichte der Herrenunterwäsche explizit der Darstellung kaum bekleideter Männer widmet – das perfekte Weihnachtsgeschenk für den modebewussten Mann oder die neugierige Freundin.

C. Schmidt

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