Liebe ist…

Einerseits ein tief verankertes, menschliches Grundbedürfnis, das uns alle vereint,und andererseits eines der wohl rätselhaftesten und unerklärlichsten Phänomene im Universum. Die Auffassungen darüber, was wir unter Liebe verstehen dürfen, könnten kaum weiter auseinander gehen. Dies mag nicht zuletzt an den vielfältigen Ausprägungen liegen, in denen uns diese auf geistiger, körperlicherund seelischer Anziehung beruhende Emotion begegnet. Denn die Annahme, dass sich Liebe allein auf zwischenmenschliche Gefühlsbeziehungen beschränkt, ist weit gefehlt. Das Spektrum an potentiellen Adressaten für den Überschuss an persönlicher Zuneigung ist schier unbegrenzt. Wussten Sie beispielsweise, dass Agalmatophilie als wissenschaftlicher Fachbegriff die starke Affinität und sexuelle Anziehung zu (überwiegend nackten) Statuen bezeichnet? Oder dass auch die Liebe zu Teddybären, die so genannte Arktophilie, als psychologisches Phänomen eingehend erforscht ist? Auch Papier (Paperphilie), der Papst (Papaphilie), Friedhöfe und Todesriten (Taphophilie) sowie Duschen und Vollbäder (Taphophilie) können Auslöser für emotionale Hingabe oder sexuelle Erregung sein.

Das Mysterium Liebe in seinen unterschiedlichen Facetten zu beleuchten, haben sich auch die Kuratoren der Ausstellung „All You Need Is LOVE“, die noch bis 1. September 2013 im Mori Art Museum in Tokio zu sehen ist, zum Ziel gesetzt. Die Sonderausstellung findet anlässlich des zehnjährigen Jubiläums des Museums statt und umfasst über 200 Werke aus unterschiedlichen Epochen und Kunststilen.

1
Jean-Honoré Fragonard, Der gestohlene Kuss, um 1780
Öl auf Leinwand, 45 x 55 cm.
Eremitage, St. Petersburg.

In fünf thematisch voneinander getrennten Teilbereichen werden die Besucher dazu angehalten, sich aus unterschiedlichen Blickwinkeln heraus mit der menschlichen Uremotion auseinanderzusetzen: So klärt der erste Teil der Ausstellung „What is Love?“ über die mit Liebe assoziiertensprachlichen und ikonischen Besonderheiten auf und geht dabei unter anderem auf die Symbolik des Herzens ein. „Couples in Love“ konzentriert sich auf den Zustand des Verliebtseins und darauf, wie sich das Konzept des Liebespaares über die Jahrhunderte verändert hat. Der Ausstellungsteil „Love in losing” widmet sich schließlich einem der in der Kunst wohl am ausführlichsten thematisierten Aspekte der Liebe: dem Liebeskummer. Zudem behandelt die Ausstellung auch die erste liebevolle Erfahrung, die wir in unserem Leben machen, nämlich jene, die uns unsere Familie vermittelt. In „Love Beyond“ wird versucht, Prognosen über die zukünftigen Veränderungsprozesse in der Liebe abzugeben, wobei hier vor allem moderne Kommunikationstechnologien, Online-Partnervermittlungsbörsen und die fortschreitende Globalisierung der Welt einen erheblichen Einfluss auf unsere Vorstellung von Liebe und deren Integration in unser Leben haben.

2
Pablo Picasso, Akrobatenfamilie mit Affe, 1905
Aquarell, 104 x 75 cm.
Göteborgs Konstmuseum, Gothenburg.

All jenen, die sich mit dem Thema „Liebe in der Kunst“ schon von zu Hause aus beschäftigen wollen, sei das im Verlag Parkstone International erschienene E-Book Love an‘s – wie könnte es anders sein – Herz gelegt. Darin präsentiert der Autor J. P. A. Calosse die bewegendsten Momente der Kunstgeschichte: Von Tizians Bildnis des ersten Liebespaares der Menschheitsgeschichte, Adam und Eva, über Rodins leidenschaftlich inszenierten Kuss, bishin zu Egon Schieles gefühlvoller Portraitierung der Liebenden.

R. Grabner

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