Buddhismus zwischen Trend und Tradition

„Wenn der Eisenvogel fliegt und die Reitpferde auf Rädern rollen, wird der Mann aus dem Schneeland seine Heimat verlassen müssen und die buddhistische Lehre wird die Länder des rotwangigen Mannes erreichen.” Mit dieser verblüffend realitätsnahen Prophezeiung sagte einer der Begründer des Buddhismus, der Mönch Padmasambhava, bereits vor über 1200 Jahren den Erfolgskurs des buddhistischen Glaubens in Richtung Westen voraus. Ob er damals bereits ahnte, in welcher Form die spirituellen Weisheiten hierorts praktiziert werden würden, ist jedoch fraglich. Eines ist jedenfalls sicher: Der Buddhismus liegt bei uns mittlerweile voll im Trend. Die einen dekorieren mithilfe von exotischem Massivholz-Interieur und diversen Accessoires aus dem Asiashop die eigenen vier Wände zum privaten Shangri-La um. Die anderen nehmen stattdessen an mehrtägigen Zen-Meditationsseminaren teil, um so dem höchstpersönlichen Chaos aus Luxusproblemen und Sinnkrisen zu entfliehen. Und wieder andere suchen ihre innere Mitte beim wöchentlichen Philosophie-Kränzchen mit Räucherstäbchen-Aroma in der Buddhismus-Schule ihres Vertrauens.

Shaka, der Historische Buddha. Japan (12. Jhd.). Museum of Fine Arts, Boston.
Shaka, der Historische Buddha. Japan (12. Jhd.).
Museum of Fine Arts, Boston.

Nicht zuletzt seitdem Hollywood die buddhistischen Lehren als leinwandtaugliches Inszenierungsobjekt für sich entdeckt hat und sich darüber hinaus auch abseits der Produktionsstätten international anerkannte Filmstars der fernöstlichen Religion verschrieben haben, gilt der Buddhismus als das Allheilmittel schlechthin für diverse seelische Unstimmigkeiten und psychosomatische Wehwehchen der New-Age-Generation.

Vergessen wird dabei allerdings oft, dass der Buddhismus an sich keine Religion im herkömmlichen Sinn ist. Denn die sakrale Grundlage bildet nicht etwa der Glaube an eine allmächtige Schöpferfigur und deren Huldigung im Gottesdienst. Vielmehr soll im Buddhismus skeptisches, selbstreflexives Denken propagiert werden. Denn wer die Welt verändern will, so besagt die Lehre Buddhas, der beginne zuerst bei sich selbst.

Allen Kunstsinnigen empfiehlt sich die Ausstellung Divine Depictions: Korean Buddhist Paintings im Museum of Fine Arts in Boston als Einstieg zur Selbstfindung. Noch bis zum 23. Juni 2013 wird hier erstmals eine Reihe koreanischer Buddhagemälde einer breiten Öffentlichkeit zugänglich gemacht. Großteils handelt es sich dabei um Leihgaben von lokalen Kunstsammlern. Zum Teil wurden die Werke vor mehr als 100 Jahren aus Japan eingeführt, wo sich die koreanische Kunst traditionell hoher Anerkennung erfreut und wo die Gemälde in buddhistischen Tempelanlagen aufbewahrt worden waren.

Kang Ik-Joong, Happy Buddha (2008). Museum of Fine Arts, Boston
Kang Ik-Joong, Happy Buddha (2008).
Museum of Fine Arts, Boston

Alternativ und zum Nachschlagen bietet der Verlag Parkstone International mit dem Titel 1000 Buddhas of Genius von T.W. Rhys-Davidseinen historisch-illustratorischen Abriss über die Entwicklung der plastischen Buddha-Abbildung. Der Leser wird dabei auf eine spirituelle Reise durch verschiedene Regionen Asiens entführt und erfährt, welch unterschiedliche Bedeutungen die religiösen Statuen je nach Destination haben.

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