Rivalen unter sich

Ein die Renaissance charakterisierendes Thema war die Auseinandersetzung mit der Antike. Man entdeckte das antike Erbe durch erste archäologische Ausgrabungsfunde und deren Dokumentation wieder, die die Künstler inspirierten, sich fortan am antiken Schönheitsideal zu orientieren. Zu dieser Zeit gehörten zu den herausragenden Genies die Italiener Raffael da Urbino, Michelangelo Buonarotti und Leonardo da Vinci.

Raffael: Die drei Grazien, um 1503-1505. Öl auf Holz, 17,1 x 17,1 cm. Musée Condé, Chantilly.
Raffael: Die drei Grazien, um 1503-1505. Öl auf Holz, 17,1 x 17,1 cm.
Musée Condé, Chantilly.

Raffaels Figuren in seinen Meisterwerken sind harmonisch und von ausgewogener Komposition; er malt bevorzugt liebliche Madonnenbilder mit einem antikisierten Schönheitsideal. Seine Kunst besitzt einen hohen ästhetischen Wert, da nur sie der an sich unvollkommenen Natur zur Vervollkommung verhelfen kann. Seine Vorbilder waren auch gleichzeitig seine Rivalen: Michelangelo und Leonardo.

Michelangelo: Die Erschaffung Adams, 1508-1512. Fresko, 480 x 230 cm. Sixtinische Kapelle, Vatikanstadt.
Michelangelo: Die Erschaffung Adams, 1508-1512. Fresko, 480 x 230 cm.
Sixtinische Kapelle, Vatikanstadt.

Ähnlich erging es auch dem etwa acht Jahre älteren Michelangelo, der einerseits mit Leonardo rivalisierte und andererseits von ihm als Vorbild profitierte. Auch mit Raffael stand er in Konkurrenz. Sie beeinflussten sich in ihrem Schaffen – teilweise unbewusst, aber auch direkt, in einem Kampf um Perfektion und Anerkennung. Michelangelos Bildpersonal entstand anhand von nach dem Modell gezeichneten Skizzen, in denen eine realistische Nachahmung der Natur trotz antiker Idealisierung erkennbar blieb.

Leonardo da Vinci: Der vitruvianische Mensch, Proportionsstudie nach Vitruv, 1492. Feder und Tusche auf Papier. Galleria dell’Accademia, Venedig.
Leonardo da Vinci: Der vitruvianische Mensch, Proportionsstudie nach Vitruv, 1492. Feder und Tusche auf Papier. Galleria dell’Accademia, Venedig.

Leonardos Streben nach Symmetrie und Schönheit manifestierte sich in seiner Auseinandersetzung mit der menschlichen Anatomie, sodass Geometrie und Ausgewogenheit der Proportionen in seinen Gemälden vorherrschten; sein Idealbild der menschlichen Schönheit war daher kein absolutes, sondern bestand aus der Beziehung einzelner Teile zueinander.

Trotz der Unterschiede schufen die drei Renaissancekünstler ein Schönheitsideal, das weit über Italien hinaus von Künstlern bewundert und kopiert wurde. Auch heute noch, nach rund 500 Jahren genießen sie Weltruhm. Immer wieder beschäftigen sich Museen in ihren Ausstellungen mit diesen Meistern, wie beispielsweise das Museum of Fine Arts in Budapest mit seiner aktuellen Exposition Triumph of Perfection – Raffael, die Einblicke in das perfekte Schönheitsideal Raffaels gewährt. Wer sich darüberhinaus intensiver mit dem Werk der drei großen Renaissancemeister auseinandersetzen möchte, dem sei die im Verlag Parkstone-International erschienene Edition: Art Gallery empfohlen, in der jedem Künstler je ein Bildband gewidmet ist.

One thought on “Rivalen unter sich

  1. text is ok., no objections. best regards, Klaus

    Am 7. Mrz 2014 10:00 schrieb Parkstone International :

    > Parkstone International posted: “Ein die Renaissance > charakterisierendes Thema war die Auseinandersetzung mit der Antike. Man > entdeckte das antike Erbe durch erste archologische Ausgrabungsfunde und > deren Dokumentation wieder, die die Knstler inspirierten, sich fortan am > antiken Schnh”

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