Die Überreste der Großen Moschee von Aleppo. Aleppo, April 2013.

Islamische Kunst in Berlin – Gott sei Dank!

Zugegeben, in diesen Tagen über die Kunst des Islams zu schreiben, hat etwas von Fähnlein nach dem Wind. Auch eine Ausstellung unter dem Titel „Wie die islamische Kunst nach Berlin kam. Der Sammler und Museumsdirektor Friedrich Sarre“ zu veranstalten, hätte etwas von Fähnlein nach dem Wind, wenn es nicht zufällig das seit mehr als 100 Jahren existierende Berliner Museum für Islamische Kunst täte. Denn selten war ein Thema omnipräsenter. Selbst in Triberg im Schwarzwald erläutern adrett gekleidete, junge Moslems unadrett gekleideten, alten Christen, die sich wirklich mal ein bisschen die Haare zurechtmachen könnten, bevor sie zum Tag der offenen Tür in die Moschee gehen, den Islam. Manch israelischer Präsident wäre gut beraten, das mit dem Islamerläutern gleich ganz zu lassen. Aber so ganz lassen kann man es eben nicht. Eine Meinung zum Thema hat (leider?) jeder. Und, tja, dann habe ich eben auch eine.

Die große Moschee von Aleppo, Anfang des 8. Jahrhunderts. Aleppo.
Die Große Moschee von Aleppo, Anfang des 8. Jahrhunderts. Aleppo.

Heute ist man geneigt, der zu ehrenden Persönlichkeit Friedrich Sarre (1865-1945), seines Zeichens erster Direktor des Museums für Islamische Kunst in Berlin, hellseherische Fähigkeiten nachzusagen. Er war in den aktuellen „Krisenregionen“ in Vorderasien unterwegs, lange bevor sie zu solchen wurden. Man kann es für fragwürdig halten, sich in ferne Lande aufzumachen, um eigentlich ja dorthin gehörende Kunst- und Bauwerke nach Europa zurückzubringen. Aus heutiger Sicht jedoch ist ausgerechnet das ein Segen. Sonst wären sie jetzt wahrscheinlich zerstört.

Das Prunkstück der Sammlung islamischer Kunst in Berlin beispielsweise ist – das Aleppozimmer. Ja, das ist das Aleppo, in das die USA gerade Waffen an Rebellen senden, mit denen die dann auf syrische Soldaten schießen, zu deren Unterstützung Russland Bomben auf die Stadt wirft, sodass die zivile Bevölkerung in Scharen gen Westen und Europa flieht. Achso, und der IS ist auch da. Womit in rund drei Zeilen ausnahmslos alle Tagesschau-Sendungen des letzten halben Jahres zusammengefasst wären.

Die Überreste der Großen Moschee von Aleppo. Aleppo, April 2013.
Die Überreste der Großen Moschee von Aleppo. Aleppo, April 2013.

Und vielleicht liegt hierin ja auch der Grund für die ganze Tragödie: in einer von den Großmächten umkämpften Weltordnung, die die Länder Vorderasiens zu minderbemittelten Satellitenstaaten macht, so zwangsläufig amerika- und europafeindlichen Kräften Zulauf verschafft und sie notfalls, man erinnere sich an den Vietnamkrieg, „zurück in die Steinzeit bombt“. Das ist also meine Meinung. Und ach ja, in die Ausstellung „Wie die islamische Kunst nach Berlin kam“ sollte man gerade deswegen gehen. Im Gedenken an all die daheimgebliebenen Meisterwerke, die nun in Schutt und Asche liegen.

Flasche mit Polospielern, Syrien, 1300. Emailliertes Glas. Museum für Islamische Kunst, Berlin.
Flasche mit Polospielern, Syrien, 1300. Emailliertes Glas. Museum für Islamische Kunst, Berlin.

Für alle, die mehr davon sehen wollen, gäbe es übrigens noch das hier: Die Kunst des Islams.

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