Hieronymus Bosch, Der Garten der Lüste, 1500-1505. Grisaille, Öl auf Eichentafel, Höhe (inkl. Rahmen): 205,6 cm, Breite (inkl. Rahmen): 386 cm. Museo Nacional del Prado, Madrid.

Hieronymus Bosch, die Hölle und späte Weihen

Im Jahr 1951 wurde Wilhelm Frängers Werk Das Tausendjährige Reich. Grundzüge einer Auslegung (1947) in die englische Sprache übersetzt und damit der internationalen Kunstgeschichte zugänglich. Das Buch, das vor allem Boschs Gemälde Der Garten der Lüste (1500-1505, Frängers Titel lautete ‚Das Tausendjährige Reich‘) interpretierte, war sowohl in der wissenschaftlichen Welt als auch der kunstinteressierten Öffentlichkeit eine Sensation. Frängers Interpretation, dass Bosch seine großen Altarbilder nicht für orthodoxe religiöse Zwecke, sondern für quasi-religiöse Kulte geschaffen habe, wurde als ein Wendepunkt für das Verständnis dieses rätselhaften Künstlers angesehen.

Hieronymus Bosch, Der Garten der Lüste, 1500-1505. Grisaille, Öl auf Eichentafel, Höhe (inkl. Rahmen): 205,6 cm, Breite (inkl. Rahmen): 386 cm. Museo Nacional del Prado, Madrid.
Hieronymus Bosch, Der Garten der Lüste, 1500-1505. Grisaille, Öl auf Eichentafel, Höhe (inkl. Rahmen): 205,6 cm, Breite (inkl. Rahmen): 386 cm. Museo Nacional del Prado, Madrid.

Während die meisten Kunsthistoriker, die sich nach Frängers Tod im Jahr 1964 mit Bosch beschäftigten, diese These zurückgewiesen haben, gibt es immer noch Anhänger von Frängers Position, dass ein Hochmeister eines Adamitenkults Bosch seine geheime Zeichensprache diktierte, die dieser dann in seinem großen Gemälde Der Garten der Lüste und in einer Reihe weniger bedeutsamer Bilder offenbarte.

Die Autoren, die sich in den fast fünf Jahrhunderten seit seinem Tod mit ihm befasst haben, verliehen ihm einen so nachhaltigen Ruf als „faizeur de diables“ (Gossart), dass er bis zur Moderne kaum als Künstler galt. Vor allem seine Höllenszenen zogen diese Art Aufmerksamkeit auf sich. Er stellte die Kreaturen und Orte dieser „Höllen“ mittels eines unendlich detailreichen Naturalismus so überzeugend dar, dass sie wie wahre Dämonenbeschwörungen wirkten.

Hieronymus Bosch, Das Weltgerichtstryptichon, 1504-1508. Öltempera auf Holz/Eiche, Mitteltafel: 164 x 127 cm, Flügel je: 164 x 60 cm. Gemäldegalerie der Akademie der bildenden Künste Wien, Wien.
Hieronymus Bosch, Das Weltgerichtstryptichon, 1504-1508. Öltempera auf Holz/Eiche, Mitteltafel: 164 x 127 cm, Flügel je: 164 x 60 cm. Gemäldegalerie der Akademie der bildenden Künste Wien, Wien.

Für die mittelalterliche Mentalität konnte jemand, der seine eigenen schlimmsten Ängste so deutlich offenbaren konnte, nur selbst ein Zauberer oder Wahnsinniger, vielleicht sogar ein Werkzeug des Teufels, sein. Spätere Autoren vertraten entweder ebenfalls diese Ansicht oder sahen – im rationalistischen Gefolge der Renaissance und der Reformation – in Bosch die schlimmsten Seiten des Mittelalters verkörpert. Wenn er erwähnt wurde dann nicht so sehr als Künstler denn als Kuriosum. Schließlich geriet Bosch in Vergessenheit.

Es dauerte über zwei Jahrhunderte, bis das Interesse an ihm im späten 19. Jahrhundert wieder auflebte. Im 20. Jahrhundert war Boschs Popularität so groß wie nie zuvor und dieser Trend hält auch im 21. Jahrhundert an. Boschs infernalische Vorstellungswelt hat bis heute nichts von ihrer Faszination verloren.

Das niederländische Gemeentemuseum Helmond präsentiert seine Werke seit gestern in einem neuen Licht: „De 7 hoofdzonden: Jheronimus Bosch in de hedendaagse kunst“ (dt. Die 7 Todsünden: Hieronymus Bosch in der zeitgenössischen Kunst). Und wer noch mehr über den Künstler wissen will, dem sei eine Auswahl unserer Bücher ans Herz gelegt:

MS Bosch

PS Bosch

TS Bosch

BO Bosch

 

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